hello over there, our dearest stalker 
vorab möchten wir uns erst einmal bedanken, dass du dir die Zeit genommen hast, um deine Bedenken so ausführlich mit uns zu teilen. Die Wartezeit zu deinem Anliegen ruht daher, dass ich mir alles nochmal durchgelesen habe, bevor ich selber zu einer Antwort komme. Es ist naturlich schade, dass du dich scheinbar auf dieser Ebene dadurch so empört fühlst — dennoch müssen wir an der Stelle eingrätschen und sagen, dass die betroffene Pb vorher Rücksprache mit uns gehalten hat, da ihr (mehr oder weniger) sämtliche deiner Vorwürfe bereits in einem anderen Forum entgegnet sind. Wir möchten, bevor ich weiter in das Thema eingehe, direkt festhalten, dass wir verstehen, dass Themen wie Behinderungen, Repräsentation und die dadurch entstehenden zwischenmenschlichen dynamiken sensibel zu behandeln sind und verschiedene Perspektiven hervorrufen können.
Dennoch müssen wir hier ein paar Punkte ganz klar einordnen:
Das Gesuch, auf welches du dich beziehst, gibt keine festgeschriebene Dynamik vor, sondern lediglich einen erzählerischen Rahmen. Es vermittelt mögliche Konflikte, Unsicherheiten und auch problematische Ausgangssituationen, die sich aber im Inplay nicht nur verändern könnten sondern auch sollen. Insbesondere der Punkt, dass sich ebendiese Beziehung hin zu Augenhöhe und gegenseitiger Stärkung entwickeln soll, wird ja explizit klar. Und das hat nichts mit der Stigmatisierung einer Behinderung oder Ähnliches zutun; Beziehungen starten sehr oft damit, dass man nicht „ebenwürdig“ ist und man aneinander wächst.
Ich würde glatt behaupten, dass es hier eher ein Aspekt der Anschauung ist. Du scheinst dich auf die möglichen Aspekte eingeschossen zu haben, die man ebenso negativ interpretieren könnte. In erster Linie sollte man aber im RPG niemanden eine böswillige Handlung zugrunde legen. Die von dir angesprochenen Punkte wie dieser extreme Beschützerinstinkt des Bruders ist etwas, das beinah in jeder Geschwisterdynamik einen Teil gut hat. Aber Unsicherheiten oder strukturelle Abhängigkeiten sind nicht zwangsläufig direkt als Idealisierung anzusehen, sondern dort kommt es darauf an, wie es ausgespielt wird. Und das kannst du, weder wir (da Gesuch bisher noch nicht erfüllt) beurteilen. Hier liegt der Fokus dann darauf, dass man Konflikte sichtbar macht, Verhalten reflektiert und idealerweise auflösen. Aber sind wir mal ehrlich, gerade ebendiese Abhängigkeit ist in unserem Bekannten RPG sooft in toxischen Beziehungen vorzufinden, und wenn wir mal in die literarischen Genres gehen, dann finden wir vor allem in (Dark) Romance Büchern genau dieses klassische Stilmittel wider.
Wir möchten hier klarstellen, dass man Charaktere mit Beeinträchtigungen nicht per Se als problematisch darstellen sollte, sondern sie können ein Teil vielfältiger Darstellung sein. Kreative Freiheit oder auch künstlerische Freiheit ist uns allen ein Begriff, ebenso wie uns allen Entwicklung und auch Reibereien wichtig sind als essenzielle Bestandteile von unseren Ideen.
Wie sensibel oder differenziert (oder auch kritisch!) diese Aspekte schlussendlich umgesetzt werden, hängt immer stark von dem Schreiberling ab. Und da ist dann auch der Punkt, wo wir als Team mit eingreifen und eine Hand drüber halten. Aber wer wären wir, wenn wir alles in die Tiefe prüfen? Dann dürften wir nach der Idee keinem Konzept in Anlehnung an Dark Romance Beziehungen freie Hand geben. Wir vertrauen hier in erster Linie auf Eigenverantwortung und allem voran Kommunikation zwischen den Betroffenen Schreibpartnern.
Uns ist bewusst, dass nicht jedes Gesuch oder jede Idee jeden Geschmack treffen muss.. Es ist völlig legitim, wenn du die Interpretation eher negativ auslegst, dass ist ja (mitunter) das Schöne am Schreiben: Jeder sieht einen anderen Standpunkt obwohl jeder dieselben Worte liest. Aktuell sehen wir hier jedoch keinen Verstoß gegen unsere Forenregeln. Besonders durch den Zusatz, den sie extra mit in das Gesuch eingebaut hat.
Dennoch nehmen wir dein Feedback natürlich ernst, und bedanken uns dafür. Solche Punkte sollte man grundsätzlich immer im Blick behalten, einfach um auch fair Betroffenen gegenüber zu sein und dementsprechend einzugreifen, wenn wirklich eine Stigmatisierung anfallen sollte.
dont behave too well without me.. kisses,
─ vee.