MY STORYLINE "Ja, ich weiß dass das Meeting vor zehn Minuten angefangen hat... Ja, ich bin schon- Moment, genau, zwei Zucker, danke... Nein? Ich hab mir keinen Kaffee, sondern einen Iced Matcha Latte geholt. Oh mein Gott! Kannst du bitte kurz chillen? Wir sehen uns in 5, bye!" So sah der typische Alltag für den ältesten Hayes Spross aus. Nun gut, nicht ganz so typisch - normalerweise kam er pünktlich, aber ab und zu vergaß man die Zeit, wenn der Webtoon gerade spannend wurde. Es war nicht seine Schuld. Nicolas Leben war ein ständiges Auf und Ab. Ein Hin und Her, aber dafür wurde es nie langweilig. Wie konnte sich der Hauptcharakter Su-ae auch wieder auf den Typ einlassen? Also beginnen wir von vorne, nein, natürlich nicht beim Webtoon. Hier dreht sich ausnahmsweise alles um die Story von Nicolas Hayes.
Geboren wurde der heute 25-Jährige im sonnigen Busan in Südkorea. Dort sollte er allerdings nicht lange verweilen und erst Jahre später seine Heimatstadt kennenlernen. Die Schwangerschaft war tatsächlich ungewollt. Seine Mutter war gerade einmal sechzehn Jahre alt und damit begannen Probleme, die schwere Entscheidungen nach sich ziehen sollten. Den Familiennamen Kang bereits einmal durch den Dreck gezogen und mit der eigenen Freiheit am Abgrund stehend, erschien ihr Bruder in strahlender Ritterrüstung und tat nicht nur seiner Schwester, sondern auch sich selbst einen großen Gefallen mit der Adoption des Babys. Schließlich konnten er und seine Frau selbst keine Kinder bekommen, so war es doch Glück im Unglück - gemein wie es klang - und nach zwei Jahren konnten sie Min-woo zu sich nach Seattle holen. Dort wurde er auf den Namen Nicolas Hayes getauft und war fortan fester Bestandteil der Familie. Genau wie sein On- Vater, Daniel, sollte er durch den westlichen Namen einen leichteren Start ins Leben bekommen. Kang Min-woo würde nur noch auf seiner Geburtsurkunde, tief unter abertausenden Dokumenten in einem Schuhkarton verstaut, existieren.
Tatsächlich verlief das Leben von Nicolas bis auf Weiteres völlig unspektakulär. Seine Kindheit voller Abenteuer, meckernder doch liebender Großeltern, einer Farm und Sommern voller langer Nächte und Schlammschlachten geprägt, war es kein Wunder, dass der kleine Junge zu einem Wirbelwind an Faszination und Fröhlichkeit heranwuchs. Seine Großeltern in Snoqualmie machten es sich zur Aufgabe, ihrem Enkel möglichst viel mit auf den Weg zu geben, indem sie ihm zum einen handwerkliches Geschick beibrachten. Sei es durch Malerei, Schnitzen oder Gartenarbeit - seine Großmutter war durch und durch eine Hausfrau und stellte sicher, dass Nicolas nicht nur Stunden vor dem Fernseher oder am Nintendo verbrachte. So brachte sie ihn oft zu den benachbarten Farmen und ließ ihn dort bei der Pflege von Tieren helfen. Sein Großvater hingegen bereitete ihn auf den zukünftigen Schuleintritt vor, war selbst einmal als Lehrer beschäftigt und wollte seinen Enkel nicht mit schlechten Noten nach Hause kommen sehen. Vielleicht lag es an ihrer Einstellung, doch die schulische Bildung stand bei ihnen hoch im Kurs. "Du wirst es verstehen, wenn du einmal in Südkorea bist." hatte sie ihm gesagt und ihm zusätzlich ihre Werte vermittelt, ihn in koreanischer Schrift und Sprache unterrichtet, bis sie ausschließlich mit ihm in ihrer Muttersprache sprachen. Nicolas hatte sich deswegen eine Zeit lang davor gesträubt, zu seinen Großeltern zu gehen, aber irgendwie fand er es doch ganz cool vor seinen Freunden aus dem Kindergarten mit seinem Wissen anzugeben.
Kurz vor seinem Schuleintritt sollte sich das fast schon idyllisch ruhige Leben des Hayes ändern, als ihn seine Eltern eines Abends auf die Couch setzten und ihm von einem kleinen Geschwisterkind erzählten. Wieso sie sich für eine Adoption entschieden hatten, interessierte Nicolas damals nicht, war ihm nur wichtig, dass das neue Kind nett war. Nett war es. Vielleicht zu sehr, denn plötzlich musste er die Aufmerksamkeit seiner Eltern (und Großeltern!) teilen, musste seine Spielsachen teilen und immer Rücksicht auf den Neuzuwachs geben. Was ihn dabei am meisten störte? Wie eine Klette klebte das andere Kind an ihm. Damals befürchtete er bereits, nie wieder eine ruhige Sekunde für sich zu haben und irgendwann beschloss er, schärfere Geschütze aufzufahren. Mit einem Mal verschwand das aufgezwungene Lächeln und er wurde womöglich zum größten Widersacher des anderen. Ignorierte, schubste und spielte böse Streiche, die nicht selten in Tränen endeten. Nicolas wusste das was er tat, falsch war, aber er verstand damals nicht was Eifersucht bedeutete und wie schnell sie vergehen konnte, wenn man seine Perspektive änderte. Nur wenige Jahre voneinander getrennt, besuchte auch das jüngste der Hayes Kinder endlich die Schule und obwohl Nicolas nie damit gerechnet hätte, fand er sich eines Tages vor einem am Boden weinenden Kindes wieder, andere aus der Oberstufe dabei beschimpfend. Nicolas hatte bisher keine Probleme in Form von Mobbing gehabt. Seine nonchalante Art auf Sticheleien anderen zu reagieren und seine bunten Erzählungen des Landlebens bei seinen Großeltern, sowie die Dinge die er besaß und bereits wusste, spielten dem Hayes gut in die Karten. Doch nur weil er so mit seinem Geschwisterkind umging, bedeutete das noch lange nicht, dass das auch andere durften. Irgendwann hatte er sowieso angefangen den anderen zu tolerieren und seit diesem Vorfall, lernte er ihn auch zu lieben.
Inzwischen waren die beiden Hayes Geschwister ein Herz und eine Seele - vertrauten einander, stärkten sich gegenseitig den Rücken und vielleicht, aber auch nur ganz vielleicht, drückt einer dem anderen einen Kuchen ins Gesicht. "Happy Birthday, you sick fuck." Das daraus resultierende Polaroid hing schließlich in Nicolas Schließfach und erinnerte ihn daran, dass selbst der holprigste Start einer Beziehung noch gut werden kann. Verbissen genug, scheute er sich auch nicht, seinem Crush endlos auf die Nerven zu gehen. Die Cheerleaderin hatte ihm sprichwörtlich den Kopf verdreht und sogar seine Teammates im Lacrosse zogen den Angreifer täglich auf. "Hoffnungslos verloren." hatten sie ihn genannt, na danke. Die Highschool war womöglich eine der besten Zeiten in Nicolas Leben. Hier schien sich der Teenager gänzlich zu entfalten, schöpfte jede Möglichkeit aus, seinen Horizont zu erweitern und badete sich in seiner Beliebtheit, ohne überheblich dabei zu sein. Dabei ignorierte er die drohende Furcht davor, was seine Zukunft für ihn parat hielt. Über die Jahre hinweg lebte Nicolas lediglich im Hier und Jetzt - niemals einen Schritt zurück oder einen zu weit voraus. Vielleicht aus eben jenem Grund schockte er nicht nur seine Familie, sondern auch seine Freundin mit der Entscheidung, eine Weltreise anzutreten, statt zu studieren. Er wollte die Welt sehen, neue Erfahrungen sammeln und seine Wurzeln in Südkorea ergründen. Tief im Inneren zog es ihn nach Busan und er wollte wissen, warum. Seine Reise führte ihn durch Europa bis nach Asien. Nicolas probierte nationale Spezialitäten, übernachtete unter dem Sternenhimmel, bestieg Berge, fuhr per Anhalter mehrere Meilen und ließ sich tätowieren... Alles festgehalten in Blogs und Erzählungen. Über die Zeit hinweg entwickelte er neue Interessen und lernte viel über die verschiedenen Kulturen, in denen er verweilte. Schade nur, dass er den wichtigsten Menschen in seinem Leben nicht an seiner Seite haben konnte. Während die Gespräche immer kürzer und seltener wurden, stieg in Nicolas der innerliche Druck. Obwohl er sich erfüllt fühlen sollte, zerrte an ihm eine völlig andere Emotion, die ihn langsam doch stetig in die Knie zwang.
Die ersten Anzeichen waren Schlaflosigkeit und Antriebslosigkeit. Von jetzt auf dann wurde es still um den älteren Hayes. Immer häufiger plante er mehr Zeit ein, weil ihm nicht danach war weiterzureisen. Plötzlich reichte ihm kein bloßes lebendig sein - wollte er mehr? Weniger? Beständigkeit? Nicols fiel in ein Loch, aus dem er nicht so schnell herauszukommen schien. "Hey, lange nichts gehört. Was ist los bei dir? Meld dich mal wieder, sonst schick ich einen Suchtrupp los." Nicht, dass er sich anstrengte. Wenn die Sonne ihn dann schließlich richtig traf, ihm Kraft zu spenden schien, fühlte er sich wieder motiviert und strahlte seine Mitmenschen an, lachte laut und balancierte am Rand eines Daches mit einer Gruppe Unbekannter, die ihn einluden gemeinsam die Skyline zu bewundern. So ging das eine ganze Weile - auf und ab, bis seine Beziehung ein jähes Ende fand. Okay, vielleicht war es nicht so abrupt, wie er behauptete. Nicolas merkte selbst, wie wenig Zeit er für Victoria hatte und wie sehr ihr die Ferne zusetzte. Trotzdem zog er sich danach größtenteils zurück. Ihr Briefe zu schreiben, die er dann doch nicht mehr abschickte, blieb ein kleines Geheimnis zwischen ihm und der Welt. Inzwischen war er in Südkorea angekommen und trat dort seinen Road Trip nach Busan an. Mittlerweile waren 2 Jahre vergangen, aber er machte noch keine Anstalten, nach Hause zurückzukehren. Wieder einmal fühlte er sich nicht im Stande dazu, wollte sich nicht die Mühe machen und verweilte stattdessen bei seiner Tante. Ihre Familie war warmherzig und lud ihn ein, zu bleiben, wie lange er wollte. "Du bist fast wie ein Sohn für mich... wir würden dich nicht verscheuchen." Er nahm das Angebot an und erst nach unzähligen Diskussionen mit seinem Vater, entschloss er sich ein halbes Jahr später dazu, mit dem Flieger nach Seattle zurückzukehren. Gegen jede Erwartung, waren die warteten Arme seiner Familie alles, was er brauchte, um wieder aufzublühen. Auch wenn er das flüchtige Gefühl von Sehnsucht nicht abschütteln konnte. Es fühlte sich an, als hätte er einen Teil von sich in Busan zurückgelassen. Für einige Wochen verweilte er in seinem Kinderzimmer, kontaktierte seine Freunde und traf sich mit jedem von ihnen. Naja, nicht mit allen. "Wie von den Toten auferstanden, man, du warst einfach verschwunden. Hattest ne gute Zeit, was?" stieg Nicolas mit hallendem Lachen darauf ein, weil es leichter war, als zu erklären, dass es Tage gab, an denen er gar nicht aus dem Bett kam.
Von neuem Tatendrang gepackt oder auch nur den Diskussionen mit seinem Eltern aus dem Weg gehend, half er als Barista aus und verbrachte den Rest des Tages im Nachtleben. Nicht zum feiern, viel mehr um zu genießen. Die Stille im naheliegenden Park gab ihm Zeit zum nachdenken, ohne dabei abgelenkt zu werden. Er wusste, dass er der Frage nicht ewig entkommen konnte und auch nicht bis ans Ende seiner Tage als Barista arbeiten wollte. Nicolas fehlte lediglich eine Richtung in die er gehen wollte. Vielleicht wollte er auch einfach zu viel? Immer mehr, wie damals auch schon. Während er sich also ein gutes Jahr mit sich selbst auseinandersetzte und schlussendlich doch mit seinen Eltern sprach, fassten sein Vater und er einen Entschluss. Er würde im Verlag "The Atelier Press", anfangen und man würde ihn anlernen. "Probiere es aus, hm? Ich habe da so ein Gefühl, dass du gut bei uns reinpassen würdest." Sechs Monate voller Disziplin, Strenge und Zähne zusammenbeißen folgten. Sechs Monate in denen Nicolas oftmals hochmotiviert und dann wieder in sich gekehrt war. Es war keine Seltenheit, dass er daran zweifelte, ob er in den Verlag einen Platz finden würde, doch die Arbeit dort machte ihm Freude. Er fand Leute, bin denen er sich gut verstand und die einige seiner Interessen teilten, genoss Freiheiten die manche als "Daddy Privilegien", betitelten und spürte langsam, wie sich der tiefsitzende Druck auf seiner Brust löste. Die hübsch dekorierten Zweifel an seinen Fähigkeiten als Creative Editorial Assistant kümmerten ihn wenig, wusste er schließlich, dass sein Vater ihn nicht fest eingestellt hätte, wenn er nur Scheiße bauen würde. An manchen Tagen prallten die Worte an ihm ab, die Blicke leicht zu ignorieren und an anderen Tagen, blieben sie an ihm haften und verfolgten ihn. Manchmal gab es Phasen, da verlegte er die Arbeit ins Homeoffice und er schien längere Zeit gar nicht mehr vor Ort. "Die Leute reden, Nicolas. Schau zu, dass du bald wiederkommst." Dabei waren es nicht unbedingt die negativen Kommentare, die ihn davon trieben, sondern eher sein eigener Kopf, der Gedanken überschlug und jedes noch so kleine Gefühl über-analysierte. Er dachte oftmals an seine Tante und wie sie ihm Trost in unruhigen Momente spendete. Dabei kannten sie sich damals kaum und doch war da eine Verbindung zwischen ihnen, die Nicolas nicht selten zu verstehen versucht hatte.
Drei Jahre nachdem er im Verlag seines Vater und unter dessen direkter Anweisung angestellt war, schien sich endlich eine Art von Anerkennung und Respekt ihm gegenüber und seiner bereits geleisteten Arbeit zu etablieren. Der Hayes Sprössling hatte in beinahe Höhenflug-ähnlichen Phasen sein Können unter Beweis gestellt und selbst die schwierigsten Kritiker zu einem akzeptierenden Nicken gebracht. Zwar gab es noch immer abfällige Kommentare im Bezug auf den Chefjungen, aber über die sah Nicolas gekonnt hinweg - die meiste Zeit. "Wie findest du Pixel? Klingt doch gut, oder?" schlug ihm sein Arbeitskollege eines Tages in der Cafeteria vor, woraufhin er die Brauen zusammenzog und nur schmunzelnd auf seine Switch sah. Er hatte eine Prinzessin zu retten. Der Spitzname hatte sich schnell durch sämtliche Etagen des Verlags gesprochen und wenn man die Leute über in sprechen sah, konnte man sich sicher sein, dass sie nicht seinen richtigen Namen verwendeten. Inzwischen unterhielt er sich oft mit den verschiedensten Kollegen und war von jedem weitestgehend respektiert worden. Dass ihn eine Person jedoch wie die Pest mied, nachdem sie ihn aufgesucht hatte und nun wiedersah, stand nicht auf seiner Tagesordnung. Dass er nach einigen Momenten der Schockstarre eben jene Frau aufsuchen und mit ihr reden wollte, auch nicht. War er vielleicht bei einem Drama eingeschlafen und träumte gerade oder stand er gerade noch seiner Ex gegenüber? Zwischen einem überraschenden Wiedersehen und dem allzu bekannten Gefühl einer drohenden Identitätskrise, vergaß Nicolas beinahe das nächste Meeting mit einem der angehenden Cover-Designer der neuen Ausgabe für "The Atelier Press"
| MY PERSONALITY Beim ersten Treffen wirkt Nicolas freundlich, zuvorkommend, offen und auf das Wohl seiner Mitmenschen bedacht. Das alles mag auch zutreffen, doch bei genauerer Betrachtung wird schnell klar, Nicolas hat die Ruhe weg. Er ist laut, ausdrucksstark und wirft anderen Leuten im Straßenverkehr Luftküsse zu, wenn sie ihn und seine Inlineskates verfluchen. Was soll er tun? Bei Rot halten? Nein. Der Hayes geht aufs Ganze, wenn er kann - oder muss, wieso sind Meetings immer Vormittags?
Während der Arbeit wird man ihn oft genug an seinem Schreibtisch vorfinden, welcher die Persönlichkeit des Hayes fast perfekt widerspiegelt. Neben Stapeln an Dokumenten (sortiert! Wohlgemerkt), finden sich viele verschiedene Trinkets aus den verschiedensten Ländern seiner Weltreise wieder. Er hat unter anderem eine eigene Tasse, farbige Sticky Notes und eine Ladestation für seine Switch. Alles schreit nach Individualität, die Nicolas gerne nach Außen vertritt - ein offenes Buch, wie die Leute so schön sagen. Und obwohl er oft mit zerzausten Haaren, ein halb in die Hose gestecktes Hemd und offener Tasche ins Büro stürmt, ist er fast penibel auf Details fokussiert. Naja, sein Job ist Perfektion und in all dem Chaos findet Nicolas die Ruhe, um seine Aufgaben gewissenhaft, präzise und - man glaubt es kaum - professionell zu erledigen. Bisher war seine einzige Schwäche die Zeit, weshalb er oft bis spät in den Abend im Verlagshaus sitzt und wohl der Letzte neben seinem Vater ist, der die Toilette benutzt.
Neben seinem Job, hat auch der Hayes ein aufregendes Privatleben. So aufregend wie es sein kann, wenn er nach Hause stürmt um die neue Folge einer Serie anzusehen und sich dabei Instant-Ramen einverleibt. Nein, das macht er nicht jeden Tag. Tatsächlich trifft er sich regelmäßig mit Freunden und verbringt seine Zeit bis tief in die Nacht damit, wieder nach Hause zu finden, wenn er mal zu tief ins Glas geschaut hat. Dabei kennt er seine Grenzen relativ gut, nur genießt er diesen leichten Rausch und das Leben, welches ihn durch die Gassen von Seattle treibt. Wenn er dann schließlich ankommt, erkundigt er sich um ein paar Lebenszeichen seiner Freunde, bevor er dann auch selbst in einen komatösen Schlaf fällt. Nicolas kümmert sich bereitwillig um die Menschen in seiner Umgebung und liebt die Zeit mit seinen Freunden mindestens genauso sehr, wie die mit seiner Familie. Dennoch limitiert er diese, vor allem wenn es um seine Großeltern geht, denn meistens gehen ihm die Ausreden aus, wenn sie ihn gar nicht mehr gehen lassen wollen. Und was soll er sagen? Einem guten Erdbeerkuchen kann er einfach nicht widerstehen. Aber durch seine Weltreise hat er gelernt, anzunehmen, was ihm geboten wird. Egal wie unnatürlich die Farbe sein mag, inzwischen gibt es genügend Gegengifte.
Auch wenn Nicolas gerne seinen Spaß hat, seinen Kollegen wie Freunden kleinere Streiche spielt oder komplett die Fassung verliert, wenn man ihm ein Bild von Hakongee schickt und sagt "Hier, das erinnert mich an dich," fürchtet er sich von einem Moment besonders. Seit seiner Weltreise, hat Nicolas sich verändert und die Frage in ihm verstärkt: Wo gehört er hin? Macht er das überhaupt richtig? Leben? Wenn ihn Meinungen anderer zu nahe gehen, obwohl er sonst mit einem Schulterzucken abtut. Oder wenn er mit seiner Familie an einem Tisch sitzt und sich plötzlich fremd vorkommt. Oder wenn er nach einer schlaflosen Nacht auf seinen Wecker sieht und merkt, dass es weit nach Mittag ist. Manchmal erscheint ihm die Welt zu klein, dann will er ein neues Hobby anfangen oder spontan einen Flug buchen. Und im nächsten Moment ist ihm der Raum nicht dunkel genug, nicht still genug und er denkt über jedes Wort, über jede Aktion mehrfach nach. Was hat er vor zehn Jahren zu seinem Vater gesagt? Hat er das Manuskript überhaupt abgeschickt? Gott, er will gerade einfach nicht hier sein. Dann verschwindet Nicolas - er wird beinahe schon ungreifbar. Das zieht sich von Stunden über Tage hinweg, bis er mit zerzausten Haaren und einem halb in die Hose gesteckten Hemd wieder im Büro auftaucht. In solchen Phasen kann der Hayes gemein werden und die Menschen mit voller Absicht verbal verletzen und sie von sich stoßen und um das zu verhindern, geht er lieber alles und jedem aus dem Weg.
Glücklicherweise ist dieses Verhalten nur ein kleiner Makel in seinem sonst so perfekten, fast schon "America's Got Talent"-reifen Auftreten. Ja, richtig gehört - überheblich? Pff, bitte, noch nie etwas von Sarkasmus gehört?
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