Der Dunkelhaarige würde es niemals zugeben und immer die Muskelkraft des NHL Spielers vorschieben. Die Wahrheit war jedoch, dass er Estelle niemals mit seinen Sex-Eskapaden aus dem Konzept bringen würde, weil er sie als Mensch respektierte und nicht wollte, dass sie sich unwohl fühlte. Aber das konnte er sowohl der Öffentlichkeit als auch der jungen Frau gegenüber nahezu perfekt mit seiner Art verbergen, die zwar ihr gegenüber immer irgendwie charmant war, aber er dennoch darauf bedacht war, alles ins Lächerliche zu ziehen und mit einer guten Portion Ironie zu versehen. Getreu diesem Motto lachte er auch einmal spöttisch auf, als sie fragte, ob die Frau nett und nicht oberflächlich war, mit der er vor weniger als einer Stunde Sex gehabt hatte. ”Nett gehört nicht zu meinem Beuteschema, Liebes. Das solltest du inzwischen wissen”, erwiderte er grinsend und gab ihr einen kleinen Nasenstupser, bevor sie seine Hand ergriff und ihn in ihr Schlafzimmer führte. Eigentlich hatte er noch den Satz ”Nett lässt sich einfach nicht so geil vögeln” hinzufügen wollen, konnte sich aber im letzten Moment davon abhalten, erinnerte er sich doch daran, wer hier gerade vor ihm stand. Nicht nur, dass solche Worte meilenweit entfernt von ihrer Komfortzone lagen, würde er sie damit auch noch beleidigen. Und Estelle war eine der wenigen Frauen, bei der ihm insgeheim etwas daran lag, was sie von ihm hielt. Zumindest ein wenig. Ihre folgenden Worte überraschten ihn sichtlich und für ihn völlig unüblich entzog sich seine Hand ihrer und er rutschte sogar noch ein Stück von ihr weg. Er wusste, dass sie ihn damit nicht anmachen wollte. Aber dennoch gefiel ihm die Richtung gar nicht, in die dieses Gespräch plötzlich lief. ”Ich denke, ich spreche gerade auch für deinen Bruder, wenn ich sage, dass ich es nicht gut finde, wenn du dich mit wildfremden Typen triffst””, meinte er und war um eine ernste Mimik bemüht. ”Da draußen rennen ein Haufen Mistkerle rum, die nur an dein Höschen wollen. Sieh’ dir mich an”, sprach er weiter und zog bei den letzten Worten selbstironisch eine Augenbraue hoch. Im Grunde sprach er nur die Wahrheit aus - mit dem einzigen Unterschied, dass Nate dafür kein Onlinedating brauchte; er schaffte es auch so, die Weiber rumzukriegen. Ihre letzte Frage brachte ihn dann komplett aus dem Konzept und er starrte sie einen Moment sprachlos an, in dem krampfhaft versuchte, die richtigen Worte zu finden und sich galant aus der Affäre zu ziehen. ”Hör zu, Elle. Du bist eine hübsche und umwerfende junge Frau und jeder Mann kann sich glücklich schätzen, wenn du ihm Aufmerksamkeit schenkst. Aber seien wir doch mal ehrlich. Einen Kerl wie mich willst du nicht. Das weißt du genauso gut wie ich. Ich bin ein arrogantes Arschloch, wie es im Buch steht. Ich benutze Frauen für mein persönliches Vergnügen und werfe sie dann weg wie ein gebrauchtes Taschentuch. Du hast was Besseres verdient”, sagte er mit einer Stimme, die spöttisch klingen sollte, aber so viel Wahrheit enthielt, dass es am Ende eher einem Manifest glich als dem Versuch, sich irgendwie herauszureden ohne sie dabei vor den Kopf zu stoßen.